IHK-Bildungsformate weisen in die Zukunft

von Christian Jahr (Kommentare: 0)

Innovative Wege zum praxisnahen Wissenstransfer durch moderne Mixed-Reality-Technologien in der beruflichen Weiterbildung – IHK-Bildungsformate weisen den Weg in die Zukunft

Ein wichtiger Aspekt im Bereich beruflicher IHK Weiterbildung ist der Praxisbezug. Teilnehmerinnen und Teilnehmer sollen aus der Praxis für die Praxis qualifiziert werden, damit ein Höchstmaß an Handlungskompetenz für den beruflichen Einsatz erreicht werden kann. Besonders im industriell-technischen Bereich wie z. B. der Weiterbildung zum geprüften Industriemeister Metall ist die Nähe zu praktischen Formaten von besonderer Bedeutung. Im Jahr 2018 wurde mit der bundesweiten Einbindung von Augmented Reality (AR) (also einer Erweiterung der realen Umgebung um virtuelle Inhalte) im Bereich von IHK-Weiterbildungsabschlüssen der Höheren Berufsbildung eine komplett neue Lernform geschaffen.

Hierzu wurden die schriftlichen IHK-Textbände um spezielle QR-Codes erweitert, über die die Kursteilnehmerinnen und -teilnehmer mit Hilfe aller gängigen Tablets oder Smartphones die Textbände um virtuelle und interaktive 3-D-Szenarien erweitern können. Dadurch lassen sich nunmehr auch äußerst komplexe Sachverhalte, wie z. B. Bauteilspezifikationen oder sogar ganze Prozessabläufe nicht nur nachvollziehbar und leicht verständlich veranschaulichen, sondern durch die Möglichkeiten der interaktiven, also der eigenständigen, Steuerung auch anwendbar und erlebbar machen.

Die Vorteile der analogen Lernmedien werden auf ideale Weise mit denen der digitalen Inhalte verbunden und ermöglichen so einen effektiven Wissenstransfer ohne Medienbruch. Teilnehmerinnen und Teilnehmer sowie Dozentinnen und Dozenten schätzen den digitalen Mehrwert wegen der Attraktivitätssteigerung des Lernprozesses, da durch diese Technologie die Vor- und Nachbereitung eines Themas nun auch außerhalb der direkten Wissensvermittlung praxisnah möglich wird. Innerhalb der Präsenzveranstaltungen kann nun sehr viel anwendungsorientierter auf die zu vermittelnden Sachzusammenhänge eingegangen werden, schließlich ist das erzeugte digitale Modell der Produktionsanlage dank cloudbasierter Einbindung überall und jederzeit abruf- und nutzbar.

Die nächste Stufe praxisorientierter Weiterbildung wird die Entwicklung und Verwendung von Lerntools im Bereich Virtual Reality (VR) sein. Die damit verbundenen Möglichkeiten gleichen einem Situationsszenario, das den Unterschied zur analogen Realität kaum wahrnehmbar macht. Hierbei taucht der Nutzer komplett in eine digital modellierte, virtuelle Umgebung ein und hat dabei die Möglichkeit einer vollen Interaktivität z. B. zur Schulung im Umgang mit gefährlichen Stoffen, ohne dass eine reale Gefährdung entsteht.

Der Vorteil für den direkten Wissenstransfer hierbei besteht vor allem in der Erzeugung einer virtuellen arbeitsadäquaten Lernumgebung, die dem Nutzer die anwendungsorientierte Wissensaufnahme deutlich erleichtert. Auch hier bietet die orts- und zeitungebundene Bereitstellung nahezu grenzenlose Einsatzmöglichkeiten der neuen Lernformen, was ein wichtiger Aspekt für die Internationalisierung der Berufsbildung ist. Die bundeseinheitlichen IHK-Bildungsstandards können mit AR und VR weltweit genutzt werden, wodurch z. B. für deutsche Unternehmen mit Niederlassungen im Ausland dort der gleiche Qualitätsstandard bei der Personalentwicklung gewährleistet werden kann wie in der Bundesrepublik.

Aber nicht nur standardisierte IHK-Qualifizierungsmodelle, auch individuelle, am Unternehmensbedarf ausgerichtete Praxistrainings sind möglich. Durch Einbindung künstlicher Intelligenz entfällt der Einsatz von Trainern. Der für den internationalen Trainereinsatz z. B. sonst notwendige Erwerb sprachlicher Kompetenzen, gehört mit diesen Lernformen ebenso der Vergangenheit an, wie das Vorhalten von qualifizierenden Mitarbeitern. Die Reduzierung von zeitlichem und finanziellem Aufwand mit einhergehender Qualitätssteigerung bei Qualifizierungsprozessen bilden attraktive ökonomische Vorteile und damit ideale Rahmenbedingungen für zukunftsorientierte Personalentwicklung.

Nicht zuletzt bilden diese digitalisierten Methoden der Wissensvermittlung auch einen überaus vielversprechenden Ansatz, um den digitalen Wandel unserer Gesellschaft und speziell unseres Arbeitsumfeldes aus Sicht der Aus- und Weiterbildung sinnvoll zu begleiten, denn den bestehenden Ängsten vor der digitalen Transformation lässt sich wohl am ehesten durch ein spielerisches Erleben der digitalen Vorzüge begegnen.

Dieser Artikel der IHK-Bildungsakademie Magdeburg GmbH ist Teil einer Publikation des Bundesministeriums für Bildung und Forschung zum Thema Digitalisierung in der Berufsbildung.

https://www.berufsbildung-international.de/

Zum direkten Download der Publikation "Berufsbildung International Digitalisierung":
https://www.berufsbildung-international.de/files/IBB_Publikation_02-19_Digitalisierung_web.pdf

Die AR-Applikation in den IHK-Textbänden wurde in Zusammenarbeit mit der Firma 3DQR aus Magdeburg entwickelt.

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